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Haustiere als Jägeropfer

Tierschutz: Haustiere als Jägeropfer (pdf-download des Artikels) [333 KB]



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Alle Bilder: Familie Tingler 



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D A S   S C H I C K S A L   V O N   C H I C O : 

»Unser Hund wurde von Jägern erschossen«

»Jäger erschießt Hund am Trimm-Dich-Pfad« - so titelte der Südkurier am 6. November 2008. Nachdem ein Jäger im Bettlinsbadwald bei Rottweil den jungen Hund »Chico« erschossen hatte, schlugen die Emotionen in der Bevölkerung hoch: In einer Flut von Leserbriefen und online-Diskussionen zeigten sich die Menschen betroffen von Chicos Schicksal. Weitere Presseartikel folgten. So mancher Leserbiefschreiber berichtete, dass ihm ebenfalls schon ein Hund oder die Katze erschossen worden war... Tierschutzorganisationen schätzen, dass jedes Jahr etwa 30.000 Hunde und über 300.000 Katzen von Jägern erschossen werden.

Die Schüsse fielen am Freitag gegen 17:30 Uhr. Gabi Tingler war mit ihrer Schwägerin, deren kleiner Tochter und ihrem jungen Hund Chico am Trimm-Dich-Pfad spazieren, wo immer viele Menschen unterwegs sind. Der Jäger behauptete, er habe den Hund erschossen, weil das Tier gewildert habe. Die Familie des Hundes bestreitet dies - wildern entspräche nicht dem Wesen von Chico.

Wie wunderbar das Wesen von Chico war und was der junge Hund ihr und ihrer Familie bedeutet hat, das berichtet Gabi Tingler im folgenden Artikel.
Wie Chico die Familie Tingler adoptierte

»Wir waren in Spanien, Rolf, mein Mann, Manuel, der jüngste Sohn, und ich«, erzählt Gabi Tingler. »Am 16.08.2007 entdeckten wir einen kleinen Hund in der Zufahrt zum Paraiso - unserem Ferienhaus. Er winselte, saß da ganz geduckt und nur der kleine Kopf guckte hinter der Mauer vor. Rolf hielt an, und wir wollten eigentlich nur nachsehen, ob der Hund vielleicht verletzt ist. Als das kleine Kerlchen uns sah, sprang er hinter der Mauer hervor und freute sich riesig. Der Hund wollte nicht vom Auto weichen, er setzte sich vor die Räder. Manuel und ich liefen zum Haus, der Hund munter hinterher - wedelte mit dem Schwanz, winselte und bellte vor Freude. Er wich uns nicht von der Seite.«

Familie Tingler dachte erst, der Hund sei irgendwem verloren gegangen, und versuchte, den Besitzer ausfindig zu machen. Doch vergebens. Der Hund kam immer wieder und wich ihnen bald nicht mehr von der Seite. »Als ich morgens aufstand und wie gewohnt begann, das Katzenfutter herzurichten, musste ich lachen: Vor der Tür standen die Katzen Roty und Mutti und dazwischen der Hund - in einer Reihe warteten die drei Tiere auf das Frühstück«, berichtet Gabi Tingler. Der kleine Hund war zerschunden und verwahrlost: Sein Fell war voller Flöhe und Zecken, die Ohren verdreckt, verkrustet und entzündet durch Millionen von Milben, der kleine Bauch aufgebläht und an allen Gelenken hatte er Schürfwunden, Bauch und Beine waren ganz zerkratzt. Familie Tingler brachte den Welpen, der inzwischen »Chico« getauft wurde, zum Tierarzt und pflegte ihn gesund. Ursprünglich sollte der Hund gegen Ende des Urlaubs einen Platz im Tierheim bekommen, um dann in gute Hände vermittelt zu werden. »Ich rief beim Tierheim an, aber bekam nur zu hören, dass die dort schon genug Hunde hätten«, so Gabi Tingler. »Wir erfuhren auch, dass in den städtischen Tierheimen alle Hunde und Katzen nach wenigen Wochen vergast werden, falls niemand sie abholt.« Mit einigen Umwegen und viel Aufregung nahmen sie Chico mit nach Deutschland.



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Familienhund und Freund der Katzen

Chico entwickelte sich prächtig. Er freundete sich mit den Katzen und Hasen der Familie an, die Tiere tollten zusammen im Garten. Besonders liebevoll kümmerte sich Chico um ein schwarzes vier Wochen altes Katzenbaby, welches die Tinglers vor dem Ertrinken gerettet hatten.

Der junge Hund besuchte die Hundeschule und gehorchte auf jedes Pfeif-Kommando. Und: Chico war sehr aufmerksam. Gabi Tingler berichtet, wie der Hund zwei Kinder aus gefährlichen Situationen gerettet hat: »Einmal stand ein 2-jähriger Junge vor einer Schaukel und hätte im nächsten Moment die Schaukel direkt an den Kopf bekommen - das erkannte Chico und schubste den Jungen gerade noch rechtzeitig.« Der zweite Fall: »Ein kleines Mädchen wurde im Kindergarten vergessen, Chico hörte das Weinen des Kindes und machte so lange Rabatz, bis wir das merkten und das Mädel hinausließen.«

Eine Freundin der Familie war an Krebs erkrankt. Es ging ihr sehr schlecht, und sie bekam Chico ab September 2007 als Geselllen zum Aufmuntern - es funktionierte! Sie erholte sich so gut, dass sie im November 2008 wieder teilweise mit der Arbeit beginnen wollte. Doch da kam die Nachricht von Chicos Tod, die sie in ein tiefes Loch fallen ließ und um Monate zurückwarf.

Chicos Tod

Chico wurde am 31.10.2008 um ca. 17:30 Uhr von einem Jäger erschossen. »Er hatte sich nur wenige Schritte und nur für einige Momente von uns entfernt - da fiel der erste Schuss«, berichtet Gabi Tingler. »Erschossen wurde Chico aber erst mehrere Minuten nachdem der erste Schuss in unserer unmittelbaren Nähe gefallen war.« Der Obduktionsbericht ergab, dass Chico mit einem Kopfschuss getötet wurde - die anderen Wunden und Munitionsreste stammen von vorhergehenden Schüssen (siehe Fotos). »Hätten wir nicht solche Angst gehabt (zwei Frauen, ein kleines Kind) und gleich an einen schießwütigen Jäger gedacht, hätten wir Chico vielleicht noch retten können«, sagt die Hundehalterin, »aber bei schlechter Sicht und solch einem nahen Schuss wollten wir nicht riskieren, selbst angeschossen zu werden.«

Der Jäger behauptete, er habe den Hund erschossen, weil er gewildert hätte. Gabi Tingler bestreitet dies: Chico habe sein Leben lang keinen Jagdtrieb gezeigt. Er lebte mit Katzen und Hasen zusammen, die er nie jagte, auch wenn alle im großen Garten frei herumliefen: »Er hat sie abgeschleckt«, erzählt Gabi Tingler, »die Häschen hatten keine Angst vor Chico«.

Nach dem Abschuss von Chicco wurde von »Sachbeschädigung« und »Entschädigung« gesprochen. Doch kann der Verlust eines Familienmitglieds überhaupt entschädigt werden?
»Chico war ein liebevoll aufgepäppeltes Straßenkind und unbezahlbar - wie pervers, wenn man da von Sachbeschädigung spricht. Wer Erfahrung mit solchen Hunden hat, weiß, was ich meine«, sagt Gabi Tingler. »Chico war für uns alle etwas Besonderes. Was dieser Mann da zerstört hat, ist nicht in Worte zu fassen.«



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Manuel, der 13-jährige Sohn der Familie (im Bild oben mit Chico), schrieb im Internetforum der Zeitung »Südkurier«:

»Wegen dieses Vorfalls habe ich schlaflose Nächte, mir ist regelmäßig übel, schwindlig, und ich bin mit den Nerven am Ende... Dieser Hund bedeutete mir soviel wie mein eigenes Leben und das meiner Familie. Wir haben ihm das Leben gerettet, und er hat unseres verschönert. Wir haben soviel Zeit investiert, dass es ihm gut geht. Man hat mir das Herz rausgerissen, es vergiftet und mir eines der wichtigsten Dinge meines Lebens genommen. Ich kann mich in der Schule nicht konzentrieren und habe immer das Bild von unserem armen, verstümmelten Chico im Kopf.«



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Metallpartikel am Flohhalsband 



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Metallpartikel im Kopf 



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Metallpartikel am Mund 



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